Fundstellen-Beschreibung

Wiese gegenüber dem ehemaligen ”Mitropa”-Intershop (Landesgrenze)

MTB: 2131

Ueberblick

Die Wiesenlandschaft gegenüber dem ehemaligen ”Mitropa” Intershop der DDR ist bislang mein unangefochtenes Lieblingsbiotop für Naturbeobachtungen. Die Wiese ist mitnichten homogen. Vielmehr wechseln sich völlig unterschiedliche Bereiche ab. Von absolut trockenen bis sumpfigen Bereichen ist eine sehr breite Palette von Lebensräumen mit entsprechender Flora und Fauna vorhanden.

Grashüpfer, viele Kreuzspinnen und andere Radnetzspinnen.

Stabiliment nur oben! Auch hier teilten die Wespenspinnen sich das Biotop mit Kreuzspinnen, die mitunter in der gleichen Weise wie die Wespenspinne eine Niesche im Gras errichteten, um bis hinunter zum Boden ihr Netz aufzuspannen. In vielen solcher Schein-Fußstapfen fand ich Netze winziger Radnetzspinnen, wobei ich mich frage, ob diese die Nieschen von anderen Spinnen übernommen oder sie diese selbst angelegt haben mögen.

Aber auch hinsichtlich der Wespenspinne konnte ich eine Entdeckung machen. Ich fand ein Exemplar, das sein Stabiliment ausschließlich oberhalb der Netznabe ausgebildet hatte. Das einzigemal unter über 300 untersuchten Netzen. Ich hatte schon angenommen, dass diese kombinatorisch logische Variante überhaupt nicht vorkommt.

Die große Störungsresistenz der Wespenspinne ließ sich einmal mehr beweisen, als ich ein Maßband an ein Netz anlehnte und die Spinne nach kurzem Aufschrecken dies klaglos zu ließ: Angelehntes Maßband (63 KB JPeg). Das Anschließend aufgenommene Portraitfoto der Spinne (30 KB JPeg) war allerdings kaum aussagefähig, was die Größe der Spinne anbelangt, da zwischen Maßband und Spinne noch etwa 3 cm Abstand herrschte, der für perspektivische Ungenauigkeit sorgte.

Die Untersuchung des Geländes fand am 5. September 2002 statt. Wenn auch noch viele Weibchen in ihren Netzen vorgefunden wurden, so möchte ich dennoch erwähnen, dass einige bereichts jetzt mit dem Kokonbau fertig waren. Ich fand zwei bewachte und einen unbewachten Kokon (Kokon-1 mit Weibchen 38 KB, Kokon-2 mit Weibchen 42 KB, unbewachter Kokon 66 KB)

 

Fund-Statistik

Weibchen: 42
Männchen 0
Leere Netze 6
Erhoben am: 5.9.2002
Weibchen: 17
Männchen 0
Leere Netze 6
Erhoben am: 15.9.2002
Stabiliment Nur oben Oben und unten Nur unten Ohne
n = 54 1 4 8 41
in % 2 % 7 % 15 % 76 %
Erhoben am: 5.9.2002
Stabiliment Nur oben Oben und unten Nur unten Ohne
n = 23 0 1 1 21
in % 0 % 4 % 4 % 91 %
Erhoben am: 15.9.2002

Bei der Zählung zehn Tage später wurden auf einem größeren Areal fast nur halb so viele Spinnen gefunden wie zuvor. Auch der Anteil an Netzen ohne Stabiliment hat prozentual von 76 % auf 91 % zugenommen.

Neben der Ausbildung von Stabilimenten geht ganz offenbar auch die Empfindlichkeit gegenüber Störungen bei den Wespenspinnen mit dem nahenden Lebensabend zurück. War es einen Monat zuvor noch keine Seltenheit, unterhalb auf den ersten Blick leerer Netze ein verharrendes Indiviuum zu entdecken, so reagieren nun von 16 Probanden, an deren Netzen ich rüttelte, oder wenn Rütteln keine Reaktion auslöste, mit einem Gegenstand plump in ihr Gesichtsfeld tapste, nur 56 % überhaupt.

Nur noch ein Bein...
Neben der letzten Beute hängt noch ein Spinnenbein im Netz...

Von einem Individuum befand sich neben der letzten Beute nur noch ein Bein auf dem Gespinstboden, was den Verdacht nährt, dies könnte vom Preis zeugen, den die Wespenspinnen für ihre zunehmende Unempfindlichkeit gegenüber Störungen zu zahlen haben.

Andererseits bin ich mir aber nicht ganz sicher, ob die im Netz hängende Beute nicht vielleicht eine Spinne ist, der ebenso das Bein gehören könnte. Wenn man sich die Beute so ansieht, sieht es fast so aus, als könne man rechts oben das Sternum und links das Ophistosoma erkennen. Ein höchst suspekter Fund.

Weitere Aufnahmen der ersten Begehung dieses Fundortes

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66 KB
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© Martin Lemke, Lübeck 2002 für alle Filme, Bilder und Texte (soweit nichts anderes angegeben). Fremdverwendung nur mit Genehmigung des Autors.


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