Beobachten von Wespenspinnen
Wespenspinnen sind außerordentlich geduldig. Man kann sich mit dem Objektiv, auf wenige Zentimeter heran
pirschen, ohne dass man das Tier damit aus der Ruhe bringt. Es sind ohnehin nur wenige Spinnen, die ihr Netz bei
Störung in Schwingungen versetzen. Ich habe das erst dreimal beobachtet. Andere noch seltener.
Glücklicherweise sind die Netze der Wespenspinne recht sicher zu erkennen. Durch die charakteristische
Zickzacklinie, "Stabiliment" genannt, die man oberhalb und unterhalb oder nur unterhalb des Netzzentrums finden kann.
Mitunter fehlt das Stabiliment jedoch auch ganz. Darüber hinaus befindet sich in der Netzmitte eine fein gewobene
Gespinstdecke, die in etwa der Größe der Spinne entspricht.
Findet man beim Stapfen durch eine Wiese nun ein leeres Netz vor, sollte man nicht sofort davon aus gehen, dass
das Netz verlassen ist. Wie alle anderen Spinnen lässt sich auch die Argiope bruennichi fallen, wenn sie sich
gefährdet fühlt. Es lohnt sich oft, einen Blick in das vermeintlich leere Netz zu werfen und lotrecht unter
der Netznabe nach dem Netzbewohner zu suchen. In der Regel wird man das Tier und irgendwo mit dem Kopf nach unten
verharren sehen. Seltenerweise sitzt das Tier auch mal in seitlicher Vegetation. Aber selbst als ich mal versehentlich
ein solches Netz mit der Hand zerstörte, blieb das dicke Weibchen im Netz sitzen und seilte sich nicht ab.
Vor einiger Zeit beobachtete ich eine Hornisse, die die Beute einer Wespenspinne fraß. Auch in diesem Falle
verharrte die Wespenspinne unterhalb der Netznabe. Als die Hornisse aufflog und andere Spinnennetze ansteuerte, das waren
hier die benachbarten Netze von Baldachin- und Kreuzspinne, ließen auch diese sich sofort fallen.
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| Hier wartet ein abgeseiltes Weibchen unterhalb seines Netzes eine Zeit lang ab,
um dann in das Netz zurückzukehren. |
Fotografieren
Sämtliche Fotos meiner Seiten wurden mit einer 2.1 Megapixel Digitalkamera (Sony Cybershot) aufgenommen. Auch die Videosequenzen;
letztere sind aber besser mit einem Camcorder hinzubekommen. Ein Tipp für Macroaufnahmen mit der Digitalkamera: Mit einer Lupe
vor dem Objektiv erhöht man den Abbildungsmaßstab zwar nur kaum merklich, aber die Bilder werden fast immer scharf.
Ohne diesen Trick hätte ich erheblich mehr Ausschuss produziert.
Es ist natürlich nicht zwingend notwendig, digital zu fotografieren. Wer eine gute Spiegelreflexkamera mit Balgengerät
oder Zwischenringen zur Verfügung hat, kann erheblich bessere Detailfotos fertigen. Der Vorteil der Digitalfotografie liegt
ganz einfach darin, dass man die Fotos schnell verarbeiten kann. Bei mir persönlich mag es darüber hinaus eine Rolle spielen,
dass mein 08/50-Scanner von herkömmlichen Fotos schlechtere Ergebnisse liefert als die, die eine DigiCam liefert. Für den,
der ein Spitzengerät zur Verfügung hat, mögen die Umstände vielleicht ganz anders liegen
Wenn man sich zum Fotografieren nieder hockt, sollte man aufpassen, dass man dabei nicht andere Netze zerstört. Oft entdeckt
man kniend noch mehr Exemplare, die man stehend gar nicht gesehen hat.
Equipment und Sammeln von Daten
Für mich hat sich folgende Ausstattung für die Spinnenpirsch als außerordentlich nützlich erwiesen:
- (Digital-) Fotoapparat und eine Lupe
- Schreibheftchen mit Stift
- Zentimetermaß
Wer Proben sammeln möchte, muss natürlich noch Gläschen mitnehmen.
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Der unentbehrliche Notizblock
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Viel mehr kann man auch nicht mitschleppen, wenn man durch Wiesen stapft. In dem Schreibheftchen notiere neben dem Datum was ich auf dem
untersuchten Areal vorfinde. Pflanzen, Tiere und eine Kurzbeschreibung der öörtlichen Gegebenheiten; insbesondere
Vegetationsdichte und Höhe.
Ich fotografiere so viele Spinnen wie möglich und notiere zu jedem Fund, ob das Netz ein Stabiliment hat und wenn ja, welcher
Art es ist (oben + unten, unten, ohne, ...). Man kann zusätzlich noch die Netze vermessen, aber das habe ich nur in
Ausnahmefällen getan, weil das eine Menge Zeit kostet. Darüber hinaus notiere ich natürlich sämtliche
besonderen Beobachtungen möglichst detailgenau in Stichworten.
Auf diese Weise erhält man nach und nach eine Fülle von Einzeldaten, die sich in einer Zusammenfassung plötzlich
zu einem Ganzen fügen.
Widerstreit des Datensammelns
Im Prinzip ist es um so besser, je mehr Daten man pro Individuum sammelt. Außer, dass man da durch mehr Zeit bei jedem
Fund verweilen muss, kommt noch hinzu, dass die Nachverarbeitung aller gesammelter Daten immer aufwendiger wird. Folgende Daten
pro Individuum finde ich hilfreich zu sammeln:
- Bauart des Stabiliments
- Störempfindlichkeit (da gibt es verschieden Tests, die man durchführen könnte)
- Netzgröße und Höhe (in Stichproben)
- Im nächsten Jahr möchte ich zusätzlich die Temperatur vorort messen
- Nützlich wäre ein Instrument, mit dem man berührungsfrei hinreichend genau die Größen der Spinnen vermessen kann
(wenn jemand eine Idee hat, wie man das anstellen könnte, würde ich mich über einen Tipp freuen)
Schon jetzt hat sich abgezeichnet, dass der Stabiliment-Bau und die Störemfindlichkeit mit zunehmendem Alter der
Spinne abnehmen. Es wäre also interessant, diese Zahlen von Juni bis September kontinuierlich zu haben.
© Martin Lemke, Lübeck 2002 für alle Filme, Bilder und Texte (soweit nichts anderes angegeben). Fremdverwendung nur mit Genehmigung des Autors.
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