Vorkommen und Netzbau
Sie bevorzugt niedrige Vegetation an sonnenreichen Stellen. Optimal sind ungestört ganzjährig
belassene Wiesen, auf denen die Netze (und Kokons) nicht durch Mahd, Ernte und sonstige landwirtschaftliche
Arbeiten zerstört werden können. KREUELS [15], BÜLTER [9]
Die Netze stehen fast ausnahmslos annähernd senkrecht in Bodennähe, bzw. über Bodenvertiefungen
errichtet. Um Raum für das Netz zu schaffen, biegt sie in der Regel Grashalme, Pflanzenstengel oder Blätter
beiseite und spinnt sie zusammen. BÜLTER [9]
Siehe auch Abbildungen Neue Hafenstraße und
Brandenbaumer Landstraße.
Mitunter werden Freiräume über Pflanzen mit grundständigen Blättern genutzt. BÜLTER [9],
Siehe auch Abbildung Baltische Alle. Die
da durch gewonnenen Nischen haben etwa die Ausmaße eines Fußabdrucks. Vielfach
sind die Netze durch diese markanten ”Löcher” inmitten einer ansonsten gleichförmigen
bewachsenen Wiese schon aus größerer Entfernung zu finden. BELLMANN [1]
Oder andere natürliche Freiräume, die zu Lücken in dichter Vegetation führen,
werden ausgenutzt. Siehe Abbildung
Brandenbaumer Landstraße.
Die typische Vegetationshöhe liegt meinen eigenen Beobachtungen nach bei 30 cm. Netze sind aber auch
bei einer Höhe bis 45 cm und vereinzelt noch höher anzutreffen.
Sie baut ihr Netz aber nicht nur in dichter Vegetation, sondern auch zwischen lückig stehende
krautige Pflanzen. BELLMANN [1] Etwa Beifuß-Bestände,
wie beispielsweise an der Ratzeburger
Landstraße (Foto).
Die Netzmitte ist mit einer dichten, weißen Gespinstplatte überzogen, die etwa so groß
ist, wie die Spinne selbst. BELLMANN [1] Darüber hinaus
findet man in vielen Netzen ein zickzackförmiges Gespinstband, das so genannte ”Stabiliment”.
Siehe auch meine Seite über die Stabiliment-Variabilität
Rätselraten um das Stabiliment
Beim Stabiliment handelt es sich, entgegen seinem optischen Anschein, nicht um parallel liegende Fäden. Durch
mikroskopische Untersuchungen haben Mitarbeiter von Prof. Kullmann festgestellt, dass es sich um einen lockeren Strang
feiner Fäden, die den Beutefesselfäden entsprechen, handelt. KULLMANN/STERN [28]
Am Zweck des Stabiliments scheiden sich die Geister. Nur eines scheint sicher, nämlich, dass es eben nicht,
wie ursprünglich angenommen, der Stabilität des Netzes dient. Diese frühere Deutung gilt inzwischen
schon als rein physikalisch widerlegt.
Es kursieren unterschiedliche Thesen über den Sinn des Stabiliments, welche mehr oder minder üüberzeugend
klingen. Ich möchte einige davon deshalb in der nachfolgenden Tabelle diskutieren:
| Hypothese |
Beschreibung |
Diskussion |
| Tarnung |
Die Spinne versetzt bei starken Störungen ihr Netz in Schwingungen (MPeg-Film 1,3 MB).
Durch das Stabiliment werden die Konturen der Spinne für Fressfeinde undeutlich. BELLMANN [1] |
Dagegen sprich, dass das Schwingen eher selten zu beobachten ist. BÜLTER [9]
Dies bestätigen auch meine Erfahrungen, wo nur in 2-3 Fällen von über 300
Beobachtungen Schwingen beobachtet wurde. Darüber hinaus trat bei meinen Beobachtungen das Schwingen auch bei
Individuen ohne Stabiliment auf.
Die Spinne wird mit zunehmendem Alter weitgehend störungsunempfindlich. Bei Versuchen, die ich anstellte, konnte die Spinne nur manchmal zum Schwingen
angeregt werden. Oft ließ sie es sogar zu, mit einem Grashalm berührt und gepikst zu werden, ohne aus dem Netz
zu flüchten. Zum Schwingen konnte ich sie damit niemals animieren.
Siehe auch
Webseite über das Verhalten. (Dokument noch nicht verfügbar) |
| Lockmittel |
Hier gibt es zwei verschiedene Ansätze:
-
Man stellt ich vor, das Stabiliment gaukle Insekten eine Landebahn vor, um sie zum Einflug ins Netz zu
animieren. BELLMANN [1]
Das Stabiliment lockt Insekten aufgrund eines besonderen Reflexionsvermögens des Stabiliments
im ultravioletten Bereich. KREUELS [15] Ein Effekt,
den auch einige Pflanzen zum Anlocken von Insekten nutzen.
- Das Stabiliment soll die insekten lockende Querbänderung der Wespenspinne verstärken. FINDEKLEE [21]
|
Bei Untersuchungen über das UV-Reflexionsvermögen von Spinnennetzen wurde zwar festgestellt, dass die
Netze der Webspinnen UV-Licht etwas besser reflektieren als solche anderer Spinnen, aber dass das Stabiliment
UV-Licht besonders stark reflektiert, konnte nicht nachgewiesen werden. ZSCHOKKE [23]
Dagegen konnte Mark Hauber (Cornell University im Bundesstaat New York) an der in Asien und Nordaustralien heimischen
Spinne Gasteracuatha fornicate nachweisen, dass die auffällige Zeichnung Vorteile beim Beutefang bringt. Möglicherweise
lässt sich diese Wirkung durch das Stabiliment verstärken. FINDEKLEE [21]
Allerdings untersuchte Mark Hauber gerade mal 21 Individuen; dies dürfte m. E. für allgemeine Aussagen eine etwas dürftige Basis sein.
Die Augen der Argiope bruennichi weisen selbst einen erhöhte Empfindlichkeit gegenüber UV-Licht auf (Wellenlänge
360 nm). Ebenso bei Blau (480 nm) und Grün (540 nm). (YAMASHITA) [11]
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| Zerstörungs-Schutz |
Durch Aufmerksammachen wie bei uns Aufkleber auf Glastüren sollen größere Tiere dazu gebracht werden,
dem Netz auszuweichen. LYONS [22] |
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