Analysen zur Stabiliments-Variabilität

Leider habe ich bei meinen ersten Zählungen an Individuen nicht auf die Netzbauvariation geachtet, so dass ich nicht so viele Daten darüber zur Verfügung habe, wie über das bloße Auftreten der Westpenspinne an verscheidenen Orten. Darüber hinaus habe ich es versäumt zu den Zählungsprotokollen das Datum zu notieren, so dass sich eine datumsabhängige Analyse nicht durchführen lässt.

Bei den Analysen zur Stabiliments-Variabilität werden nur Funde mit n > 5 Netzen berücksichtigt, da ich mit relativen Zahlen arbeite und bei Einzelfunden der notgedrungen vorkommende Anteil ”100 %” die Ergebnisse verfälschen würden.

 

Variation des Stabiliments bei Mehrfachfunden (n > 5)

Das bloße Vorkommen eines Stabiliments, gleich welcher Art, wurde Klassen von 0 bis 100 (Prozent) zugeordnet, auf die ich unten in Tabelle 2 Bezug nehme. Der Rest der Tabelle dürfe für sich sprechen. Die Datensätze sind nach Alphabet und Klassen sortiert.

Ort Nur oben Oben und unten Nur unten Ohne n = Klasse
Einsiedelstr. 0 0 % 1 14 % 6 86 % 0 0 % 7 10
Mitropa (Landesgrenze) 1 2 % 4 7 % 8 15 % 41 76 % 54 20
Eichholz (ehem. Zonengrenze) 0 0 % 1 9 % 2 18 % 8 73 % 11 30
Bad Oldesloe 0 0 % 3 25 % 2 17 % 7 58 % 12 40
Brandenbaumer Landstr. (Eichholz) 0 0 % 9 20 % 9 20 % 28 60 % 46 40
Zuckerhut (bei Seedorf) 0 0 % 4 22 % 4 22 % 10 56 % 18 40
Travemünder Landstr. (Hof Thorn) 0 0 % 2 33 % 1 17 % 3 50 % 6 50
Moislinger Au 0 0 % 6 50 % 1 8 % 5 42 % 12 60
Ratzeburg (Abzweigung B 207) 0 0 % 0 43 % 8 14 % 11 43 % 0 60
Schlutup, Ortsende (Mecklenburger Str.) 0 0 % 6 43 % 2 14 % 6 43 % 14 60
Wakenitzniederung (Sdl. Falkenhusener Weg) 0 0 % 1 14 % 3 43 % 3 43 % 7 60
Vorrader Straße 0 0 % 6 60 % 1 10 % 3 30 % 10 70
Grönauer Heide (Seekamp) 0 0 % 5 60 % 3 16 % 13 42 % 21 80
Ratzeburger Landstr. ggü. BGS-Kaserne 0 0 % 22 60 % 6 16 % 9 42 % 37 80
Summen 1 0,4 % 69 26 % 54 20 % 147 54 % 274 n = 14
Tabelle 1, Stabiltimentvariabilität bei n > 5

Geht man nach dem arrithmetischen Mittel des bloßen Vorhandenseins eines Stabiliments, muss man zu dem Schluss kommen, dass gerade mal knapp die Hälfte aller daraufhin überprüften Netze überhaupt ein Stabiliment aufweist; nämlich 47 %. Der Wert lag erst bei 53 % und wurde durch einen einzigen Standortfund ( Mitropa) auf 47 % heruntergezogen, weil dort in unüblich erdrückender Mehrheit der Netze keine Stabilimente zu finden waren. So muss man zu dem Schluss kommen, dass man innerhalb einer gewissen Schwankungsbreite bei etwa der Hälfte aller Netze mit einem Stabiliment rechnen muss.

Der Schwachpunkt dieser Analyse liegt darin, dass die Variabilität an verschiedenen Standorten damit nicht berücksichtigt wird. Ich habe deshalb eine Tabelle über die Häufigkeit des Vorkommens von Stabilimenten aufgestellt und komme so zu etwas anderen Ergebnisen:

 

Häufigkeitsverteilung des relativen Vorkommens von Stabilitmenten

Klasse Häufigkeit Rel. Häufigkeit
100 % 0  0 %
90 % 0  0 %
80 % 2 14 Prozent 14 %
70 % 1 7 Prozent 7 %
60 % 4 29 Prozent 29 %
50 % 1 7 Prozent 7 %
40 % 3 21 Prozent 21 %
30 % 1 7 Prozent 7 %
20 % 1 7 Prozent 7 %
10 % 0 7 Prozent 7 %
0 % 0  0 %
Tabelle 2, Häufigkeiten rel. Stabiltimentsvorkommen

Nach der Auswertung so weniger Standorte sieht das Ergebnis natürlich noch etwas holperig aus. Trotzdem steht dahinter wochenlange Arbeit.

 

Schlussbetrachtung

Egal nach welchem Verfahren man nun gehen möchte, hat die Zählung zumindest ergeben, dass die Konstellation Stabiliment nur oben nur ausgesprochen selten vorkommt. Ich habe einen einzigen Fall unter 274 begutachteten Netzen vorgefunden. Ansonsten kann man wohl als Faustregel ableiten:

 Wenn ein Stabiliment vorhanden ist, dann liegt es in der Regel oben und unten oder nur unten

Sollte es Erkenntnisse geben, die darauf hin deuten, dass die Konstellation ”Stabiliment nur oben” durchaus häufiger vor kommt, bitte ich um Nachricht per E-Mail.

Andere Variationen

Aus anderen Erhebungen über Stabilimentsvariabilität ist das Phänomen des Rundstabiliments bekannt, das kreisförmig ausgeführt ist. Experten gehen davon aus, dass die Ursache für diese Abweichung bei reifen Weibchen in einer Störung des Verhaltensmusters liegt (KORDGES/KREUELS). Ansonsten ist diese Variation von unreifen (juvenilen) Weibchen bekannt und Ende Mai/Juni zu beobachten. DIENER, [5]

Gegen Ende der Reifeperiode (Ende August) nimmt das Aufkommen zweiarmiger Stabilimente stark ab (MALT). DIENER, [5] Meinem subjektiven, nicht durch Zahlen belegbaren, Eindruck nach, nimmt bei meinen eigenen Beobachtungen die Ausbildung von Stabilimenten seit Anfang September überhaupt ab.

Ansonsten können Netzbauanomalien auch Hinweis auf chemische Belastung des Areals geben, weil Netzänderungen aus Gegenden chemischer Kontamination bekannt sind (KREUELS). DIENER, [5]

© Martin Lemke, Lübeck 2002 für alle Filme, Bilder und Texte (soweit nichts anderes angegeben). Fremdverwendung nur mit Genehmigung des Autors.


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